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Meine Augen gucken um 4:15 Uhr auf die Selbe. Woooooow, ich hab schon mal 4 Minuten länger geschlafen als gestern!!!! Ich denke nur kurz an Javier, denn er will ja weiterschlafen (grins) und mache mich dran die Fotos von der Kamera auf den Läppi zu laden. Anschließend versuche ich wieder mein Handy in Gang zu bekommen und diesmal klappt es auch. Ich musste nur das „Band“ wechseln. Hätt mir ja auch mal jemand sagen können. (zwinker) Wusste gar nicht, dass das überhaupt machbar ist. Netzwahl und fertig! Also mal SMS nach Hause. Anschließend die gleiche Prozedur: halb sieben Wecken, 7:00 Uhr Frühstück, 8:00 Uhr Abfahrt. Heute aber Wanderstiefel anziehen. Die erste in unserer Gruppe hat ihren Spitznamen weg: „Schühchen“. Die Frau hat ja Nerven. Wir wandeln heute auf unbefestigten Pfaden und krachseln die Pyramiden hoch und diese Frau trägt nen weiten Halbschuh ohne jegliche Schnürung. Die Intelligenz ihrer Schuhauswahl, lässt auch auf ihre „intelligenten“ Fragen schließen. Dazu später mehr.
10°C? Nun beschließe ich auf den „Javier-Wetterbericht“ nicht mehr zu hören. Und dann geht es los Richtung Teotihuacán Mond- und Sonnenpyramide erklimmen. Am Rande von México-City erheben sich unzählige Berge, auf deren Hängen sich die Slums ausbreiten. Javier erklärt die „Wohnungsbaupolitik“ des Landes und wir erfahren, dass der mex. Staat viel für seine Bürger unternimmt.
Auf der Fahrt kommen wir bei der Basilika von Guadalupe vorbei. Sie ist eines der wichtigsten Heiligtümer der Mexicaner und eines der bedeutendsten Marienheiligtümer der Welt. Dort sehen wir neben der alten und der neuen Basilika auch das „Papamobil“ und die Bronzestatue, die wie bereits geschrieben, aus den Metallspenden der Einwohner gegossen werden konnte. Nun kann ich sie sehen, die Sonnenpyramide! Gleich am Eingang 1 des Komplexes werden wir von den fliegenden Händlern beäugt, die ihre handgefertigten Waren anpreisen und einen guten Preis versprechen. Javier warnt uns vor und erklärt, dass viele der Waren nicht, wie angeboten, aus Stein sind, sondern, dass es sich um billige Plastik- oder Glasimitate, die mit billigem Kleber zusammengehalten werden, handelt. Die Händler folgen einem auf Schritt und Tritt und aus allen Ecken tönt: „No Gracias“. Wir stehen am südlichen Ende, wo man die Zitadelle bewundern kann und gucken schon mal die „Strasse der Toten“ an deren Ende sich in 3 km Entfernung die Mondpyramide befindet, entlang. Ein Anblick, den ich nie mehr vergessen werde. Wehmut beschleicht mich und ich denke: “Wie haben sich wohl die Azteken vor ca. 700 Jahren gefühlt, als sie diesen Gang beschritten haben?“
Der Platz rund um die Zitadelle mit der „Pyramide der gefiederten Schlange“ (Quetzalcóatl) diente religiösen und gesellschaftlichen Zwecken. Hier können wir nun die Fassade der „Pyramide von Quetzalcóatl“ im Original sehen. Gestern im Anthropologischen Museum konnten wir ja nur den „Original“-Nachbau der Fassade beäugen. Im Vergleich sieht der Nachbau natürlich viel farbenfroher aus als hier direkt an der Pyramide. Leider ist das Betreten dieser Pyramide für Besucher nicht gestattet. Zurzeit finden auch Restaurationsarbeiten statt. Unser Programm wird
 
unterbrochen, da es höchste Zeit für das Mittagessen wird.
Und nun ist es endlich soweit. Mit vollem Magen und in der Mittagshitze machen wir halt am Eingang 3. Die Mondpyramide erhebt sich vor uns. Javier erklärt uns die gesamte Anlage und anschließend bekommen wir Freizeit. Nun steht also die erste Pyramidenerklimmung an. Na ich bin ja gespannt. „Nazca“ hat mir gesagt, ich würde, oben angekommen, nach einem Sauerstoffzelt winseln. Also nichts wie los. Erst die Mondpyramide, obwohl sich jeder denkt: „Wenn ich erst einmal die Mondpyramide geschafft habe, dann sicher nicht mehr die Sonnenpyramide!“ Also erst mit der Sonnenpyramide beginnen?, No, no, wenn schon, denn schon!!! Ich komme sicher nie mehr hier her. Also beide Pyramiden erklimmen! Los auf! Schnauf, die Mondpyramide ist zum Aufwärmen, ähm, mir ist schon ganz schön heiß. Die Stufen sind sehr unregelmäßig, sehr schmal, mein Fuß passt grad so drauf, und fast doppelt so hoch wie normal! Aber ein Ausblick!!!! Meine Güte! Erst von hier oben hat man einen wunderbaren Überblick über die gesamte Anlage. Einfach Wahnsinn. Mein Blick fällt immer wieder auf die Sonnenpyramide, die nun als nächstes ansteht. Aber erstmal noch ein paar Fotos machen. Dann der Abstieg, man ist das steil!!! Nur seitwärts runter und Stufe für Stufe. Wie ein Kleinkind. Anschließend entlang der „Strasse der Toten“ bis knapp zur Mitte, wo sich linker Hand die Sonnenpyramide erhebt. Ich stehe davor und erstarre fast vor Ehrfurcht. Wie haben die Erbauer nur die zig Millionen Steine übereinander gewuchtet? Das Rad oder andere Zugtiere kannten sie noch nicht. Einfach überwältigend! Und dann steigen wir von der rechten Seite her auf die Pyramide. 65 m Höhe sind zu überwinden! Alle paar Minuten mache ich Halt und atme mal tief durch und dann weiter bis zur nächsten Etappe. Die anderen Touri’s schnaufen genauso wie ich. Ein Japaner feuert sich lautstark selber an und macht sich auf, um die nächsten Stufen zu erklimmen. Und dann denke ich: „Na die Hälfte habe ich doch sicher schon bewältigt!“ und schaue hinauf und traue meinen Augen kaum, ich hab’s schon geschafft. Ich bin fast oben nur noch die letzten Stufen bis auf die Plattform und JIPPIIIII. Und alle Strapazen sind im nu weg, wenn man sich von hier oben umschaut. Es weht ein ziemlich starker Wind, aber der kommt genau richtig. Ich brauche ABKÜHLUNG!!! Ich genieße den Ausblick, sehe die Zitadelle von heute Vormittag und alle anderen Gebäude aus einer anderen Perspektive. Mein Atem beruhigt sich, der Puls pegelt sich auf sein normales Maß ein und ich kann ohne zitternde Hände die ersten Fotos von hier oben speichern.
Mit tollen Eindrücken steigen wir ab, verlassen tief beeindruckt Teotihuacán und kehren ins Hotel nach México-City zurück.
Mich plagen Kopfschmerzen, der Abend ist also gelaufen. Nur noch Koffer packen, denn morgen beginnt die eigentliche Rundreise. Jeden Tag mehrere Stunden im Bus, Besichtigungen, und jede Nacht in einem anderen Hotel übernachten. Der Weg nach Cancun ist weit (gute 1100 km)

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