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Ab heute gilt eine neue Prozedur: halb sieben wecken, um sieben Frühstück, halb acht Koffer vor die Zimmertür stellen, acht Uhr Abfahrt!
Also gesagt, getan. Check-Out. Wir verlassen México-City in Richtung Oaxaca und kommen wieder an Wohnanlagen mit gleicher Struktur vorbei. Viele Kontrollpunkte liegen auf unserem Weg, wie schon an jedem Tag zuvor, mit an die Zähne bewaffneten Männern. Aber kurzes Gespräch unseres Fahrers und wir dürfen passieren.
Wir befahren die Panamericana und durchqueren das Naturschutzgebiet Tehuacan. Die Landschaft wird wilder und überall sehen wir riesige Kakteen. Kakteen, die man nicht verwechseln darf mit denen, die wir in unseren Wohnungen beherbergen. Ne, diese Kakteen sind wie Bäume und locker mal 5 m hoch.
In der Ferne können wir den Popocatepetl und den Iztaccíhuatl bewundern und Javier erzählt uns die Legende über deren Namensgebung. Die Zeit verrinnt, obwohl wir über 5 Stunden Fahrt hinter uns haben. Am Nachmittag treffen wir in Oaxaca ein und beginnen unsere Stadtbesichtigung mit dem Besuch einer Schokoladenmanufaktur. Wir probieren sogleich die Köstlichkeiten und nehmen die antiquierten Maschinen in Augenschein. Beladen mit Schoki und Kakaopulver verlassen wir den Shop in Richtung Markt. Javier befürchtet eins von seinen „Kindern“ (also einer aus unsere Reisegruppe) könnte in dem Gewusel des Marktes verloren gehen, deshalb gilt allgemein als Treffpunkt die Kathedrale. Also ab in den Markt und alle Sachen festhalten. Es sind Taschendiebe unterwegs! Meine Güte. Es gibt unzählige schmale Gänge, wie ein Labyrinth. Ein Stand am anderen und alles querbeet. Fleisch neben Gemüse und Gewürzen, daneben Handgewebtes, Tequila und Mezcal. Ein Abenteuer dort wieder herauszukommen. An den Ein/Ausgängen stehen wieder Frauen und Kinder, die ihre Handarbeiten verkaufen möchten. Javier scharrt seine Kinderlein um sich und wir ziehen weiter zur Kathedrale und anschließend zum Kloster Santo Domingo.
Heute beherbergt das Kloster ein Museum. Es besteht seit 1972 und wurde von der INAH (Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte) errichtet. Zwischenzeitlich hat man noch einen botanischen Garten angelegt. In dem Museum sind sehr wertvolle Gegenstände zu besichtigen u.a. die Grabbeigaben aus dem Grab Nummer 7 in Monte Alban. Diese Ausgrabungsstätte werden wir morgen besichtigen. Außerdem gibt es noch die Bibliothek Burgoa, die wir auch besichtigen. Javier erzählt uns, dass diese Bücher
 
über den Alltag der Einwohner von Oaxaca erzählen. Viele der 20000 Bücher stammen aus den letzen fünf Jahrhunderten. Und so sehen sie auch aus. Bei vielen hat man den Verdacht, dass sie beim Anschauen zerfallen könnten. Aber das tolle ist, man kann sich diese Bücher ausleihen, also zumindest dort in der Bibliothek lesen. Jeder Méxikaner hat die Möglichkeit Bibliotheken kostenlos zu nutzen. Der Staat legt großen Wert auf die Bildung seiner Bürger. Deshalb sind auch Schul- und Universitätsbesuch kostenlos. Bei uns wären solche Schätze hinter Schloss und Riegel. Nur durch einen Schaukasten dürfte man einen Blick auf eine ausgewählte Seite werfen. Aber in México ist alles etwas anders. Ich durfte ja auch den Sonnenstein der Azteken und den Olmekenkopf berühren, die Pyramiden betreten usw. Mittendrin statt nur dabei. Wir haben wieder Freizeit und können im Museum unseren Interessen nachgehen.
Als wir uns vor dem Kloster zum verabredeten Zeitpunkt einfinden, stellen wir fest, dass „Binding“ fehlt. (Binding deshalb, weil sie auf dem Frankfurter Flughafen morgens um 10:00 Uhr ein paar Döschen Binding inhaliert hat). Ihre Freundin „Schwätzchen“ (der Nick spricht für sich) weiß auch nicht wo Binding ist. Es könnte sein, dass sie noch mal zurück zum Markt geschlendert ist. Javier lässt das Sicherheitspersonal des Museums nach ihr suchen, aber sie bleibt verschollen. Unser einziger Anhaltspunkt ist die Möglichkeit, dass sie an der Kathedrale steht und wartet. Aber dieser Treffpunkt galt ja nur für den Fall, dass jemand im Marktgewimmel verloren geht. Javier ordert den Bus für uns, damit wir schon mal ins Hotel fahren können. Ein Ehepaar aus unserer Gruppe bleibt beim Museum für den Fall, dass Binding dort doch noch aufkreuzt und Javier macht sich zu Fuß auf den Weg zur Kathedrale.
Wir beziehen unser neues Quartier „Mision San Felipe Oaxaca" und sind froh, dass es nur für eine Nacht ist. Eigentlich war das Abendessen in Oaxaca geplant, aber wegen der Suchaktion fiel das ins Wasser. Niemand wusste ja, wann Binding wieder auftaucht. So haben wir uns im Hotelrestaurant mit dem kalten warmen Essen den Magen gefüllt. Und dann tauchte Javier mit Binding auf, sie war tatsächlich an der Kathedrale und ist schon auf dem Weg von der Kathedrale zum Kloster abhanden gekommen! Sie hat sich für die Aufregung entschuldigt und ein paar Bemerkungen aus der Gruppe wurden (leider) nicht laut ausgesprochen: wir trinken alle gerne Tequila! Na ja Hauptsache sie war wieder da.

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