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Vor uns liegt eine der großartigsten Ruinenstätten Méxicos. Dieser Besichtigungspunkt im Reiseverlauf war auch ein Grund für mich genau diese Reise zu buchen. Ich wollte dort hin!
Vor dem Komplex erregen weiß gekleidete Männer unsere Aufmerksamkeit. Die Lacandonen. Ein Volk, das vom Aussterben bedroht ist. Nach Schätzungen leben noch 500 Lacandonen im Chiapas-Regenwald. In ca. 50 Jahren wird die letzte Generation dieses Volk nicht mehr leben. Die Lacandonen, die hier ihre Waren verkaufen, haben ihre Isolation zu Gunsten ihres eigenen Volkes aufgegeben. Mit dem Verkaufserlös senden sie Medizin und andere dringend benötigte Waren in ihre Dorfgemeinschaft, wobei auch ihnen jeglicher Kontakt zu den Regenwald-Lacandonen untersagt ist. Sie, die Lacandonen, die sich in die „zivile“-Welt getraut haben, könnten ihre in der Isolation lebenden Familienmitglieder mit den „zivilen“-Krankheiten anstecken.
Ich kaufe hier die Miniausführung von Jagdpfeilen mit Steinspitze und dem dazu gehörigen Bogen. Gehandelt wird nicht, denn der Preis ist ok und außerdem für einen guten Zweck.
Wir passieren dann den Eingang des archäologischen Geländes und stehen plötzlich zwischen dem „Tempel der Inschriften“, dem Palast des Herrschers Pacal und anderen noch nicht näher bezeichneten Tempeln und Anlagen mitten im Urwald. Heute ist es sehr heiß, jedes Fleckchen Schatten genießen wir. So knapp 40°C sollen es sein, dazu kommt die schwüle Luft. Aber das alles hält mich nicht davon ab, jeden Tempel zu besteigen, jede Ruine zu besichtigen und das komplette Gelände zu erkunden. Los geht’s mit dem „Tempel der Inschriften“ „templo de las inscripciones“, den man leider nicht mehr betreten darf. Hier wurde 1952 der Sarkophag samt des Herrschers Pacal entdeckt. Es ist das erste Mal, dass im Inneren eines Tempels ein Grabmal entdeckt wurde. Mit 620 Hieroglyphen wird die Chronik der vorangegangenen Herrscher sowie seine eigene erzählt. Ein Stein trägt die Zahl 692, wahrscheinlich die Fertigstellung des Tempels. Rechts neben dem Tempel befindet sich ein Weiterer, der Tempel XIII. In ihm befindet sich eine Maueröffnung. Ein schmaler Gang führt ins Innere und wir können ein schweres Steingrab erblicken, hier wurden 1994 ein weibliches Skelett und viele viele Geschenke, ähm Grabbeigaben (zwinker) entdeckt. Unglaublich wir stehen direkt vor einem Maya-Grabmal!
Man kann gar nicht alles aufzählen, was diese Stadt zu bieten hat. Wir sehen den Palast „gran palacio“, den „templo de la cruz“, „templo del sol“, “templo de la cruz foliada”, Tempel die mangels Erforschung nur noch mit römischen Ziffern versehen wurden und und und. Selbstverständlich gibt es auch hier wieder
 
einen Ballspielplatz. Die Mauern, Wände selbst Treppenstufen sind mit Ornamenten, Hieroglyphen, Abbildern des Herrscher’s und seines Sohnes Chan-Bahlum verziert. Hier wurden unzählige Gebäude errichtet, die nicht mal annähernd erforscht, geschweige denn schon gänzlich entdeckt wurden. Immer noch sind viele Gebäude vom Urwald überwuchert und es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, diese dem Urwald abzutrotzen. Eine Pyramide wurde schon ausfindig gemacht, aber noch nicht freigelegt. Wenigstens weiß man aber, dass es noch eine Menge zu erforschen gibt. Nicht nur Pacal war ein eifriger Baumeister, auch sein Sohn Chan-Bahlum errichtete drei weitere Tempel. Auch diese besichtigen und erklimmen wir. Über drei Stunden verbringen wir in der alten Maya-Stadt und durchstreifen das uns zugängliche Gebiet. Überall sieht man die „Gärtner“. Sie halten den Urwald zurück. Wenn sie dies nicht tun würden, dann würde Palenque innerhalb von 20 Jahren vom Urwald überwuchert sein. Auch hier sind wieder unzählige Händler anzutreffen, die u.a. auch Symbole des Maya-Kalenders als Kettenanhänger verkaufen. Präziser gesagt nach dem Haab-Kalender. Ich bin im Zeitraum Mol geboren. Was Brennholz bedeutet.
Leider müssen wir Abschied nehmen und fahren weiter in Richtung Campeche (Yucatán). Irgendwann wird linker Hand der Golf von Méxiko sichtbar. Nach den Tagen in Méxiko-City, Oaxaca, Monte Alban, Tehuantepec, San Cristobal des las Casas und Palenque, bergauf, bergab und Regenwald ist es nun ein ungewöhnliches Gefühl endlich dem Wasser so nah zu sein. Zwischen Ufer und unserer „autopista“ liegen gerade mal 20-30 Meter. Kurz vor 18:00 Uhr machen wir Halt. Der Sandstrand liegt vor uns und ich hab natürlich nichts Besseres zu tun als ins Wasser zu waten. Meine Hosenbeine werden „etwas“ nass, aber das trocknet ja wieder. Einfach schön im Wasser. Muscheln liegen in Massen im Sand, man muss sich nur bücken und sie aufsammeln. Und sie sind nicht gerade klein. Und dann können wir den Sonnenuntergang genießen. Es ist 18:02 Uhr als die Sonne das Meer „berührt“. Binnen zwei Minuten ist es auch schon wieder vorbei. Aber trotzdem ein wunderschönes Ereignis. Nach weiteren 3 Stunden Busfahrt kommen wir in Campeche an und sehen die Stadt im Lichterglanz. Zuerst Check-In im „Hotel Plaza Campeche“, bisschen frisch machen und anschließend zu Fuß in die Stadt. In einem gemütlichen Restaurant gehen wir wieder zu viert essen, bummeln noch ein wenig durch die Stadt und lassen den langen Tag ausklingen.

 

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