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Die Geistertanzbewegung wurde
durch den großen Wovoka 1888 ins Leben gerufen. Er brachte den besiegten,
ausgehungerten und verzweifelten Stämmen des Westens neuen Lebensmut.
Durch besondere Gebete, Tänze und Lieder baute er eine große
Bewegung auf, die daran glaubte, dass die Welt der Indianer und ihre Bisonherden
wieder auferstehen würden. Er stimmte die Indianernationen auf eine
Zukunft ein, in denen alle Indianer frei leben könnten. Sie tanzten
und sangen Tag und Nacht durch, wobei manche von ihnen besonderen Hemden
trugen, die als Geisterhemd bezeichnet wurden. Von den "Weissen"
wurde dieses Treiben natürlich arwöhnig verfolgt. Sie tanzten
ohne Pause, verfielen in Trance und bekamen Visionen, brachen erschöpft
zusammen, rappelten sich wieder auf und tanzten und sangen weiter.
Als
sich immer mehr Stämme der Geistertanzbewegung anschlossen, vermuteten
die Weissen, dass die Indianer einen Kriegstanz aufführen und einen
Aufstand aller Nationen vorbereiteten. Die Regierung wollte dem Treiben
nun endlich ein Ende setzen.
Obwohl
Sitting Bull, der Hunkpapa-Häuptling, kein Mitgleid dieser Geistertanzbewegung
war, stellte er trotzdem eine große Bedrohung für die Regierungen
dar. Er war der wohl berühmteste Indianer und der letzte Häuptling
der Lakota. Nach dem Sieg über Custer kapitulierte er. Sein Exil
in Kanada verließ er im Juli 1881 und ergab sich im Fort Buford
(heute North Dakota). Nachdem er einige Zeit im Gefängnis verbracht
hatte wurde er in die Sioux-Reservation gebracht. Doch das wurde ihm zum
Verhängnis. Er wurde abermals verhaftet, weil er angelich die Geistertanzbewegung
unterstützte und dann im Morgengrauen des 15. Dezembers 1890 erschossen.
Der
Tod des großen Häuptlings ließ viele Geistertänzer
fliehen und einige suchten Unterschlupf bei Big Foots Miniconjou-Lakota
am Cheyenne River. Sie setzten alle Hoffnung, bei den Oglala, des einflussreichen
Chief Red Cloud in der Pine Ridge Agentur Sicherheit zu finden. Auf dem
beschwerlichen Weg, 200 km durch die Prärie, verschlimmerte sich
die Lungenentzündung von Big Foot. Es war Winter. Die frierenden
und ausgezerrten Indianer wurden kurz vor ihrem Ziel von der 7. Kavallerie
abgefangen und zum Chankpe Opi Wakpala (Wounded Knee Creek) auf die Pine
Ridge Reservation gebracht.
Am
Morgen des 29. Dezember 1890 wurden sie von den Soldaten umstellt und
erhielten den Befehl, ihre Waffen auszuhändigen. Sobald sie ihre
Waffen abgeben, sollten sie in die Agentur Pine Ridge weiterziehen dürfen.
Aber es kam anders. Es war mal wieder eine leere Versprechung. Auf einem
Hügel stellten die Soldaten vier Hotchkiss-Geschütze auf. Plötzlich
löste sich ein Schuß aus einem Gewehr eines schwerhörigen
Indianers, der seine Waffe nicht einfach so abgeben wollte. Die Soldaten
gerieten in Panik und feuerten ebenso los und auch die anderen Indianer,
die noch Waffen in den Händen hielten drückten ab. Die Indianer
versuchten zu fliehen. Frauen und Kinder flüchteten in die Schluchten
nach Süden, anderen flohen über die Prärie. Aber die Soldaten
rannten ihnen hinterher. Auf alles was sich bewegte wurde geschossen.
Ob Frau, ob Kind. Big Foot und viele seiner Anhänger, aber auch viele
Soldaten wurden in dem Kugelhagel getötet.
In
der Dunkelheit trafen die Überlebenden mit den toten Soldaten und
Verwundeten in der Agentur ein. Die Weissen wurden ins Lazarett gebracht
und die verwundeten Indianer ließ man zunächst draussen in
der Kälte stehen. Schließlich durften sie die Kirche betreten
und kauerten sich auf dem Boden vor der Kanzel. Über der Kanzel hing
ein Tuch mit den Worten:
FRIEDE AUF ERDEN
UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN
Erst
drei Tage später wurden die steifgefrorenen Leichen der Indianer
in einem Massengrab an Ort und Stelle am Wounded Knee verscharrt. Colonel
Colby sah noch wie sich eine Decke, die über eine Leiche gelegt war,
bewegte und fand darunter ein kleines Mädchen, dass sich an seine
tote Mutter kuschelte.
Zwei
Jahre vor der Vierhundertjahrfeier von Kolumbus' Landung in der westlichen
Welt, war der erschütternde Schlusspunkt der langen Eroberungsgeschichte
der Weissen. Die Religion von Wovoka ging mit den Toten vom Wounded Knee
unter. Die Eindringlinge betrachteten die Eroberung des amerikanischen
Westens als vollbracht. Allerdings sollten ihre Angriffe auf die indianische
Kultur fortdauern.
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