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Estados
Unidos Mexicanos: knapp 110.000.000 Einwohner, 80% Mestizen, 15% Indigena,
4% Weiße und 1% anderer Abstammung. Allerdings könnte die Zahl der Indigena
erheblich höher sein, denn viele verleugnen ihre Herkunft, da sie als
Mestizen überaus größeres Ansehen genießen.
Neben
der Amtssprache Spanisch sind noch weitere 62 indigene Sprachen als Nationalsprache
anerkannt. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der 2006 gewählte konservative
Felipe Calderón Hinojosa.
Die Flagge Méxicos trägt in ihrer Mitte einen Adler, der auf einem Kaktus
sitzt und eine Schlange verschlingt. Dieses Motiv geht einer Legende zufolge
auf die Ankunft der Azteken, die sich selbst Méxica nennen, in Tenochtitlan
(heute México-Stadt – Ciudad de México) zurück.
Schaut
man sich die Topographie des Landes an, so erkennt man auf den ersten
Blick die Vielfältigkeit. Das Land weist Höhenunterschiede von über 5700
Metern auf. Der tiefste Punkt mit 10 m unter NN ist die Stadt Mexicali
im Bundesstaat Baja California (Niederkalifornien) übrigens 1536 von Cortés
entdeckt.
Der höchste Berg und damit auch der höchste Punkt Méxicos ist der Pico
de Orizaba mit 5742 m des Vulkans Citlaltépet, der Bestandteil der Sierra
Volcánica Transversal im Süden ist. Auch der Popocatépetl (5452 m) sowie
der Ixtaccihuatl (5286m) gehören dieser vulkanischen Gebirgsgruppe an.
Der Westen wird geprägt durch den Gebirgszug der Sierra Madre Occidental,
das größte Cañyonsystem der Welt, wo Besucher mit der Einsenbahn hinein
geführt werden. In der Sierra Madre Oriental im Osten Méxicos, die durch
dichte Eichen- und Kiefernwäldern bestimmt wird, findet man Pumas, Schwarzbären
und Wildkatzen. Kilometer lange Strände sowohl an der Pazifikküste und
am Atlantik mit dem Golf von México und der Karibikküste laden Besucher
zum Verweilen ein.
Der in den 50-er Jahre entstandene Tourismus ließ den wohl bekanntesten
Badeort Acapulco entstehen.
Aber überaus imposant sind die zahlreichen Bauten der Ureinwohner Méxicos.
Menschen, die seinerzeit, vor über 40.000 Jahren über die Beringstrasse
von Asien nach Nordamerika einwanderten und sich immer weiter gen Süden
niederließen, haben wir diese grandiosen Bauwerke zu verdanken. Glücklicher
Weise haben die Spanier, die im 16. Jahrhundert nach México einfielen
und aus blinder Gehorsamkeit viele viele Bauwerke wie z. B. der Azteken
in Tenochtitlan dem Erdboden gleichmachten, um an deren Stelle ihre „katholischen
Symbole“ zu errichten, nicht geschafft alle Bauwerke zu vernichten. Denken
wir nur an Teotihuacán, mit der Sonnen- und der Mondpyramide nordöstlich
von México-Stadt, deren Erbauer auch heute noch unbekannt sind, oder an
Oaxaca und Monte Albán - Städte der Zapoteken, Palenque mitten im Urwald
und Chichen Itza auf der Halbinsel Yucatán, deren Erbauer die Maya waren.
All dies sind Zeugnisse der großartigen Baumeister vergangener Jahrhunderte,
wenn gleich auch Jahrtausende.
Nach
der Epoche der Konquistadoren, was auch zugleich der Untergang der indigenen
Kulturen, ihrer alten Riten und Gebräuche war, bildete sich eine
neue Gesellschaft heraus. Eine Gesellschaft, die für die eigentlichen
Bewohner kaum mehr Platz bot. Selbst die im Land geborenen spanischstämmigen
Weißen, die Kreolen und die Mestizen, die einerseits indigener und
andererseits europäischer Abstammung sind, bekommen keinen Zugang
zu Macht und Politik.
Die Anzahl der Mestizen in México stieg stetig an und so kam es
zu sozialen Spannungen, was letztendlich zum grito de dolores –
zum Aufschrei, zum Aufstand der Mestizen und Kreolen am 15. September
1810 führte. In dem 11 Jahre währenden Unabhängigkeitskrieg
verloren 700 000 Méxiconos ihr Leben.
1821 wird die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet und alle
sind gleichberechtigt. Alle – außer natürlich, die indigene
Bevölkerungsschicht. Ihnen geht es noch schlechter als vor dem Krieg.
Sie selbst stehen nun in Zwangsarbeit und haben demzufolge gar keine Rechte
mehr.
Die folgenden Jahre werden immer wieder geprägt durch Kämpfe
mit den USA, die es „schaffen“, dass México die Hälfte
seines Territoriums verliert und durch innere Unruhen und Spannungen der
Parteien innerhalb des Landes, die es verhindern, dass eine funktionierende
Wirtschaft entsteht.
Mitte des 19. Jahrhunderts gelingt es allerdings eine freiheitliche Verfassung
auszuarbeiten. Die Zeit zwischen 1876 und 1910 war eine Zeit der Industrialisierung
und damit einhergehend der Entrechtung und Enteignung der Bauern. Als
dann der Diktator General Porfirio Diaz immer korrupter wurde, wurde auch
die Mittelschicht unruhig. Es kam zur Revolution am 20. November 1910.
Hier verloren 1,5 Millionen Menschen ihr Leben. 1917 wurde eine Verfassung
verabschiedet und eine Bodenreform geplant. Bis heute hat sich in Sachen
Bodenreform, nämlich Rückgabe des Gemeindelandes, nichts getan.
Lediglich der Präsident Cárdenas begann in den 30-er Jahren
mit der Landverteilung, förderte die Gewerkschaften und verstaatlichte
1938 die Ölkonzerne. Die Erdölfunde in den 70-er Jahren brachten
Hoffnung, aber der Preissturz am Anfang der 80-er Jahre ließ alle
Hoffnung im Keim ersticken.
Die Reprivatisierung von Unternehmen und das am 1.1.1994 in Kraft getretene
Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und México bringen
erneut soziale Unruhen. Viele Bauern fürchteten sich vor der Konkurrenz
der übermächtigen Agrarfirmen der USA und wieder andere verließen
ihr Land. So kam es zu einem Aufstand in den Chiapas. Das Land ist gebeutelt
von immer währenden Ungerechtigkeiten und Unruhen, Kämpfen und
Aufständen. Und bei alle dem werden die Indigena völlig vergessen.
Aber irgendwie haben alle ihren Platz gefunden. Die einen ertragen es,
die anderen wiederum machen das Beste daraus. Die Unterschiede zwischen
den einzelnen Bevölkerungsschichten, zwischen den „Kulturen“
bleiben weiterhin bestehen und könnten größer nicht sein.
Die ärmsten der Armen müssen eben sehen wie sie ihr Leben finanzieren.
Ein alter Mann steht an einer Hauswand und in seiner Tüte stecken
wenige Blumen, die er zum Kauf anbietet, eine alte Dame verkauft hingegen
Kakteenblätter, ein Mann wohnt mit seiner Familie in einer strohbedeckten
Hütte im heißen Veracruz, mitten im Wald so scheint es. Andere
wiederum haben ein Winter- und ein Sommerquartier. Hört sich luxuriös
an. Aber ist es mit Sicherheit nicht. Im Winter „wohnt“ man
unter einem Felsvorsprung auf dem nackten Erdboden im Sommer zieht man
dann in höhere Lagen um Vieh zu hüten oder um das Feld zu bestellen.
Wer in der Nähe der Touristenzentren wohnt kann sich sein Familieneinkommen
noch etwas durch den Verkauf von Handarbeiten aufbessern. Wunderschöne
Webarbeiten, handbemalte Keramiken oder geflochtene Körbe kann man
sehr günstig einkaufen. Im Gegensatz dazu kennen wir die Méxicaner
als schrillbunte lebensbejahende Nation, die sehr eng mit dem christlichen
Glauben, aber auch mit den alten Gebräuchen ihrer Urväter verbunden
ist. Da begegnet man dem Mariachi spielenden Mann, der in seiner schwarzen
Tracht vor einem Cafe, am Strand oder mitten auf der Strasse steht und
so schön schnulzig dazu singen kann. Man macht Bekanntschaft mit
den Verkäufern auf bunten Wochenmärkten, die alles anbieten
von Webarbeiten über Gewürze zu frisch zubereiteten Speisen.
Das hat dann einen ursprünglichen Charakter, weitab von Supermarkt
& Co.
Und dann denke ich an die Feste – fiestas. Laut, bunt, traditionell.
Das wohl bekannteste Fest der Méxicanos ist „día de
los muertos“, dass wir als Allerheiligen kennen. Die Méxicanos
glauben, und das hat mit ihrer uralten Vergangenheit zu tun, dass an diesem
Tag die Toten in ihre Häuser zurückkehren. Deshalb bereitet
sich die Familie auf den „Gast“ besonders gut vor. Es werden
extra Altäre in das Haus gebaut, die dann mit den Lieblingsspeisen
der Toten, den Lieblingsgetränken und der Lieblingskleidung, mit
vielen Blumen und Kerzen ausgeschmückt werden. Tod bedeutete damals
Wiedergeburt. Der Tod hat also etwas positives, etwas was sich unserem
Verständnis von Tod entzieht.
Die Kinder bekommen an diesem Tag Süßigkeiten geschenkt. Süßigkeiten
in Form von Marzipantotenköpfen und Nougatsärgen. Klingt makaber.
Aber andere Länder andere Sitten. Auf dem Friedhof wird es dann noch
bunter. Die Gräber sind übervoll mit Blumen geschmückt,
Spielzeug wird ausgelegt, die Lieblingsspeisen und die Lieblingskleidung
werden zurechtgelegt. Obwohl es sehr dunkel ist, wird der Friedhof erhellt
durch unzählige Kerzen. Weihrauchschwaden flimmern über die
Gesichter hinweg. Ein wahrer Kult!
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