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Die alten Maya waren ein hoch entwickeltes Volk, dessen Geschichte z. Z. nur teilweise durch die Übersetzung seiner komplizierten Hieroglyphentexte enthüllt wurde. Doch am meisten bewundert werden die Maya wegen ihrer großartigen Kunstwerke aus Stein, Jade und Keramik. Die Bildnisse zeigen das übernatürliche Reich mit seinen Göttern und das Leben der Maya. Die Kunst stellt eine Welt dar, in der die Maya-Könige mit absoluter Macht über ihr Volk herrschten, wo aber die oberste Herrschaft bei den Göttern lag.

Für ihre wunderbaren Kunstwerke benutzten die Maya viele Materialien, wie z. B. Stein, Holz, Farben, Keramik, Jade, Stuck und Muscheln. Eines der eindrucksvollsten Bauwerke waren die Pyramidentempel. Zahlreiche Zeremonien der Maya endeten letztendlich auf den Pyramiden. Eine kosmische Bedeutung kann man an der Gliederung der Pyramiden in Tikal (Guatemala) und Palenque (Mexiko) erkennen.

Das Innere der Maya-Bauwerke war mit vielen hellen Wandbemalungen dekoriert. Leider sind sie heute, wegen der Feuchtigkeit, kaum noch erhalten. In Bonampak und Tulum sind die Malereien noch relativ gut erhalten, so dass man dort noch erkennen kann, wie farbenfroh und prächtig die Städte einst gewesen sein müssen. Die Darstellungen auf ihren Bauwerken, ob innen oder außen, zeigen immer wieder die Könige, das Treiben der Götter und Geschehnisse aus der Unterwelt. Die hohen Stelen wurden eigens für die Adligen errichtet und zeigen das Portrait des Herrschers umrahmt von wichtigen Ereignissen in Hieroglyphenform.

Das Gebiet der alten Maya erstreckte sich von der Region Chiapas und der Halbinsel Yucatan (Mexiko) über das heutige Guatemala und Belize bis in den westlichen Teil von Honduras und El Salvador. Innerhalb dieser Region herrschte eine enorme geographische und kulturelle Vielfalt. Das nördliche Tiefland umfasst die Halbinsel Yucatan und besteht aus einem Kalksteinplateau mit üppiger Vegetation. Aufgrund des Gesteins gibt es keine oberirdischen Flüsse, aber unterirdische Ströme, die Höhlen erzeugten. Stürzten die Decken ein entstanden die cenotes. Diese Dolinen bildeten nicht nur die einzige Wasserquelle, sondern wurden auch von den Maya als Zugang zur Unterwelt gehalten.
Das südliche Tiefland besteht aus Nordguatemala, Belize und den angrenzenden Teilen von Chiapas, welches von einem dichten tropischen Regenwald bedeckt ist. Hier wohnt der Jaguar, der eine wichtige Rolle in den Bildwerken der Maya spielte. Mitten im Regenwald wurden einige der größten und mächtigsten Städte errichtet - Tikal und Yaxchilán.
Im Hochland des Mayagebietes liegen vulkanische Berge, deren Täler hervorragend für den Ackerbau geeignet waren.

Die Mayakultur selbst bildete sich vor ca. 1500 -2000 Jahren v. Chr. (Zeitangaben in der Literatur schwanken) heraus. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Dörfer. Um 500 v. Chr. gab es große Zentren wie Nakbé und El Mirador im zentralen Tiefland. Auch im südl. Hochland und im nördl. Yucatan waren Siedlungen errichtet worden. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte in Strohhütten, doch die Herrscher und Adeligen residierten in prunkvollen Steinpalästen. Aber wo wurden sie nach ihrem Tod bestattet? Lediglich in Palenque wurde der einstige Herrscher Pacal unter der "Pyramide der Inschriften" bestattet. Die Maya bildeten zwar eine gemeinsame Kultur, aber kein gemeinsames Reich. Sie lebten stattdessen in Stadtstaaten, die häufig miteinander Krieg führten. Nur ihr gemeinsamer Glaube an die Mythen und Schöpfungsgeschichten, ihr Verständnis des Kosmos, ihre Religion und die Vorstellung vom Leben nach den Tode hielt sie zusammen.

Es ist schon erstaunlich, dass ein Volk derart große Fortschritte in der Urbanisierung, der Kunst und Architektur gemacht haben soll, wenn man bedenkt, dass die tropischen Regenwälder eine der schwierigsten Umgebungen sind, die man sich für solch eine große Aufgabe ausgesucht hat. Daher kamen viele Wissenschaftler zu der Überzeugung, dass die Anfänge der Klassischen Maya-Kultur von außen importiert wurde. Viele Jahre glaubte man, die große Metropole von Teotihuacán müsse die "Spenderkultur" gewesen sein. Die Klassische Maya-Kultur, so ging der Gedanke weiter, erreichte ihren Höhepunkt mehrere Jahrhunderte nach der Gründung Teotihuacáns. Allerdings haben neuere Forschungen diese Ansicht widerlegt und zeigten stattdessen, dass die Maya zu den innovativsten und tatkräftigsten Völker der Neuen Welt gehörten.

Und heute? Was ist von den einstigen Schöpfern einer so eindrucksvollen Kultur geblieben? Nur eine ethnische Randgruppe!
Da die Zahl der Maya von den heutigen Staaten systematisch geringer angegeben wird, weiß niemand genau, wie hoch sie in Wirklichkeit ist. Es sollen aber mindestens 4 Millionen im südöstlichen Mexiko, in Guatemala, Belize und Honduras sein. Seit der spanischen Eroberung im frühen 16. Jahrhundert sind die Maya dem physischen und kulturellen Druck der europäischen Eroberer gnadenlos ausgesetzt. Viele der Maya versuchten in den Urwald zu fliehen, aber selbst der wird durch ein Schwindel erregendes Tempo des Fortschritts zugrunde gerichtet. Planierraupen, neue Straßen, Hotels, Eigentumswohnungen und dergleichen verändern die Welt der Maya, wie es vor einem halben Jahrhundert nicht vorauszusehen war. Im Hochland von Guatemala werden die Ureinwohner in einem planmäßig angelegten Vernichtungsprogramm, herbeigeführt durch die wechselnden Militärregierungen, entwurzelt und demoralisiert. Wer weiß schon, dass es in den Schulen verboten ist, die yukatekische Sprache zu unterrichten? Wie viele Staatsoberhäupter von Lateinamerika können von sich behaupten, Indianer zu sein? Und wann hat man je eine indianische Sprache in den Hallen der UNO gehört? Die Antworten lauten: "Keiner" und "Nie".

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