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Riten standen meist im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zu Kalenderfesten, weshalb die Maya auch einen Ritualkalender, den Tzolkin-Kalender benutzten. Jedem Tag war eine bestimmte charakteristische Eigenschaft zugeordnet. So bestimmte also gleich der Tag der Geburt das Schicksal des Neugeborenen.

Die Maya waren ebenso kriegerisch und wild wie ihre mittelamerikanischen Nachbarn. Kriege wurden nicht nur geführt, um das Reich zu erweitern, sondern auch um Gefangene zu machen, die man dann den Göttern opfern konnte. Aber auch die Könige selbst brachten Opfer, indem sie an sich schmerzhafte Rituale ausführten. Xoc, die Gattin des Königs von Yaxchilán, zog eine dornenbesetzte Schnur durch ihre Zunge. Das herunter tropfende Blut wurde auf Rindenpapier aufgefangen und entzündet. In den Rauchschwaden erschien ein mystisches Geschöpf und signalisierte den Übergang zwischen dem natürlichen und dem übernatürlichen Reich. So konnten die Könige direkt mit den Göttern und ihren Ahnen kommunizieren und um Rat und Hilfe bitten.

Die Männer praktizierten das Ritual des Aderlasses etwas anders. Sie saßen im Schneidersitz und schnitten sich mit einem Obsidianmesser oder mit Stechrochennadeln in den Penis. Für die Maya-Männer war dies ein Akt der Frömmigkeit.

In den Kodizes findet man Abbildungen, auf denen auch die Götter selbst ähnliche Akte zugunsten der Maya vollziehen. Das Ritual des Aderlasses symbolisierte also eine gegenseitige Verpflichtung.

Wesentlicher Bestandteil der heiligen Rituale waren Musik und Tanz. Festlichkeiten begleiteten bedeutende Ereignisse wie z. B. eine Thronbesteigung eines neuen Herrschers oder die Einweihung eines Tempels. Mit leuchtend farbigen Federn auf Jaguarfellen und geschmückt mit Juwelen aus Jade und Muscheln, tanzten die Adligen zur Musik von Trommeln, Pfeifen, Rasseln und Trompeten. Darstellungen solcher Zeremonien wurden in den Wandmalereien in Bonampak gefunden. König Chan-Muan gab sie in Auftrag, um die Vorstellung seines Erben vor dem Adligen der Stadt im Dezember 790 n. Chr. zu feiern.
Durch diese tänzerischen Zeremonien wurden die Episoden der Mythologie wiederbelebt, denn als die Heldenhaften Zwillinge in die Unterwelt abstiegen, verkleideten sie sich als Tänzer.

Sehr grausam und kaum zu glauben waren die Rituale, die in Yucatán ausgeführt wurden. Den "cenotes", den Wasserlöchern in der Kalksteindecke, fielen sogar Kinder zum Opfer. Diese "Auserwählten" wurden von den Priestern aufgezogen und auf ihre "ehrenvolle Arbeit" vorbereitet. Selbst die Eltern der Kinder empfanden es als Ehre, dass ihr Kind geopfert wurde. Einfach grausam diese Vorstellung.

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