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Leonhard Peltier sitzt seit nun mehr 30 Jahren im Gefängnis. Nur der Präsident der USA kann ihn begnadigen.

Jahrzehntelang blühten die Pferdekulturen der Prärie-Stämme bis weiße Forschungsreisende, Trapper und Händler kamen und gingen. Missionare, Bergarbeiter und Siedler, die die Great Plains auf ihrem Weg nach Oregon, Kalifornien, Salt Lake City oder anderen Reisezielen westlich der Prärie-Stämme durchquerten störten ebenfalls das Leben der Prärie-Indianer. Das Wild wurde verscheucht, die Reisenden zerstörten Wildgemüse, Wurzeln und Beeren, verschmutzten Wasserquellen und verbreitete Masern, Keuchhusten und andere gefürchtete Krankheiten.
Zu allem Unglück wurde dann auch noch in den Jahren 1858 und 1859 am South Platte River am Fuß der Rocky Mountains in Colorado Gold gefunden. Nun strömten die Massen mitten durch die Bison-Jagdgründe der Cheyenne, Arapaho, Sioux, Kiowa und Comanche.
Um die "Goldschürfer" zu schützen versuchte die Regierung, allerdings erfolglos, die Indianer von den verschiedenen Reiserouten der Einwanderer fernzuhalten. Die Lakota sollten nördlich des Oregon Trail und seiner Nebenrouten am South Platte bleiben. Die Kiowa und Comanche sollten südlich des Arkansas River abgedrängt werden. Die dritte Reiseroute führte mitten durch die Jagdgründe der Tsitsista (Cheyenne) und Arapaho. Ein riesiges Gebiet zwischen dem Platte und dem Arkansas von Kansas nach Colorado. Dieses Gebiet wurde den Cheyenne und Tsitsista 1851 vertraglich garantiert. Allerdings, wie schon oft, versuchten Unterhändler der Regierung, den Vertrag zu brechen und die beiden Indianerstämme dazu zu zwingen, in eine unwirtliche Reservation im Südosten Colorados zu ziehen.

Auch hier wurden die Indianer in zwei Lager geteilt. Einige wollten Krieg und ihr Land verteidigen, andere wollten den Krieg um jeden Preis verhindern. Die Häutlinge der Cheyennee Black Kettle und White Antelope hatten sich lange um Frieden mit den Vereinigten Staaten bemüht und schließlich im Jahre 1861 den Bruch des Vertrages von 1851 akzeptiert und waren einverstanden in ein Reservat zu gehen. Sie reisten nach Washington, um sich mit Präsident Lincoln zu treffen. Präsident Lincoln überreichte Black Kettle eine große amerikanische Flagge und verlieh White Antelope einen Friedensorden.

Aber mit dem "Frieden" war es aus, als im Jahre 1864 Freiwilligenkorps die Indianer angriffen. Die Indianer übten Vergeltung und so kam es, dass Gerüchte entstanden, die einen großen Indianerkrieg vorhersagten. Durch einen Krieg würde Denver und die Goldminen in Colorado vom Rest des Landes abschneiden.

Dieses Gerücht wollten Black Kettle und andere Cheyenne- und Arapaho- Anführer entkräften und reisten nach Denver um mit Territorial Gouverneur John Evans und dem Militär-Befehlshaber von Colorado, Colonel John Chivington zu sprechen. Black Kettle bat nur darum Frieden mit Weißen haben zu dürfen. Die Indianer haben Frieden geschlossen um nicht als Feinde gehalten zu werden. Evans und Chivington boten an, ihre Lager in der Nähe von Fort Lyon im südöstlichen Colorado aufschlagen zu dürfen.

Einige Cheyenne wollten für ihre Heimat kämpfen und zogen nach Norden, um sich den Lakota und den Nördlichen Cheyenne anzuschließen. Black Kettle und seine Anhänger zog es nach Süden zum Sand Creek von Fort Lyon. Sie schlugen ihre Zelte auf und richteten sich auf ein Leben in der Nähe des Forts ein. Black Kettle hisste vor seinem Zelt die Flagge, die er von Präsident Lincoln geschenkt bekommen hatte. Sie wähnten sich in Sicherheit.

Aber Colonel Chivington war unmissverständlich, als er den Befehl gab, dass die Cheyenne vernichtet werden müssten. Wer immer einen Cheyenne in seiner Nähe erwischt, solle ihn töten.

Im Morgengrauen des 29. November 1864 ritten die "Colorado Volunteers" in das schlafende Indianerdorf und der Befehl von Chivington, keine Gefangenen zu machen, klang noch in ihren Ohren. Erst umzingelten sie das Indianerlager und Black Kettle versuchte noch beruhigend auf seine Stammesangehörigen einzureden. Aber dann eröffneten die Soldaten das Feuer und schossen auf Frauen, Kinder, Männer. Black Kettle war schockiert und wollte augenblicklich sterben und sang sein Todeslied: "Nichts lebt lange, nur die Erde und die Berge." Und was wurde aus White Antelope, der ja den Friedensorden von Lincoln bekommen hatte, der nun auf seiner Brust, heftete? Er wurde vor seinem Tipi erschossen.

Black Kettle versuchte dann doch mit seiner Frau zum Bachbett zu fliehen, wo sich schutzsuchende Menschen verzweifelt in den Sand eingruben. Doch bevor sie dort ankamen wurde seine Frau von Kugeln getroffen und er rannte, da er sie für tot hielt, allein weiter.

Stundenspäter krochen die Überlebenden aus ihrem Versteck und sahen wie die Soldaten Babies und Schwangere aufgeschlitzt und brutal verstümmelt haben. Das Dorf war zerstört und die Nahrungsvorräte für den Winter und die Decken waren geraubt. Über 150 Indianer waren abgeschlachtet worden.

Black Kettle fand seine Frau mit neun Schußwunden im Körper, die wie durch in ein Wunder überlebt hatte. Sie kämpften sich durch die Prärie bis in ein Lager der Cheyenne Dog Soldiers am Smoky Hill River. Dort bekamen sie Nahrung und Bekleidung.

Drei Jahre später rief die Regierung die Stämme der südlichen Prärien zusammen, darunter auch die Südlichen Cheyenne zu Vertragsverhandlungen am Medicine Lodge Creek in Kansas zusammen. Die Regierung plante zwei große Reservationen im Westlichen Teil des Indianischen Territoriums ein. Die Dog Soldiers der Cheyenne und verschiedene andere Splittergruppen der Kiowa und Comanche, wollten nichts von Reservationen hören. Aber Black Kettle war immer noch der Meinung, dass jeder Widerstand hoffnungslos ist. Im Spätherbst 1868 brachte er seine Stammesangehörigen in ein Lager am Washita River in einer der neuen Reservationen. Und auch dieses Mal täuschte sich Black Kettle. Die Vereinigten Staaten schickten Soldaten mit dem Befehl los, die südlichen Prärien nach Indianern zu durchkämmen. Und sie wurden fündig. Die 7. Kavallerie unter der Führung von Lieutenant Colonel George Armstrong Custer verfolgte einen Cheyenne-Kriegertrupp der auf dem Weg in das Dorf von Black Kettles war.
Im Morgengrauen des 27. November 1868, vier Jahre nach dem ersten Angriff, begann das erneute Gemetzel. Die Truppen Custers stürmten in das schlafende Cheyenne-Dorf. Ohne Gnade wurden Menschen getötet, von Pferden niedergetrampelt, skalpiert. Black Kettle starb, seine Frau ebenso und noch weitere 101 Menschen der Südlichen Cheyenne.

Black Kettle hatte seine Friedensangebote ernst gemeint und war auf die Versprechungen der Weißen hereingefallen. Er wollte sein Volk retten und ergab sich. Dennoch hatte er sie ahnungslos in den Tod geführt.

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"Long Work"
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