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Nach dem Popol Vuh (ein epischer Maya-Text) gab es am Anfang nur den Himmel und einen großen urtümlichen Ozean. Die Götter des Himmels und des Ozeans beschlossen, dass sie Geschöpfe brauchten, die sie anbeteten. Doch zuerst musste ein Ort geschaffen werden, wo diese Geschöpfe leben konnten. Also sprachen sie das Wort "Erde" aus und schon tauchte sie auf wie eine Wolke oder wie Nebel und formte sich. Die Schöpfung wurde durch "vier Strecken, vier Ecken, vierfaches Abmessen, vier Pfosten, Halbieren der Schnur, Spannen der Schnur in den Himmel, auf die Erde, die vier Seiten, die vier Ecken" ausgedrückt. So vermaßen die Bauern ihr Ackerland ehe sie Getreide pflanzten. Die mythologische Erschaffung der Erde spiegelte also einen Alltagsvorgang des Ackerbaus wider. Das irdische Reich, das von zwei übernatürlichen Reichen oben und unten begrenzt war, wurde für quadratisch gehalten. Oben war das himmlische Reich, in dem viele Götter wohnten, während unten die gefürchtete Unterwelt, besiedelt von den widerwärtigen Adeligen von Xibalba, war. Einigen Mythen zufolge bestand der Himmel aus 13 Schichten, jede mit einer eigenen Gottheit, und die Unterwelt aus neun Schichten. Im Zentrum des Kosmos stand der Weltenbaum. Vier weitere Bäume stützten den Himmel.

Hieroglyphische Inschriften vervollständigen den Schöpfungsmythos und geben das Datum der Schöpfung als 13.0.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku an. Nun ratet mal, was dies für ein, uns verständliches Datum, sein soll. Ich will es euch verraten. Dies soll der 13. August 3114 v. Chr. sein. An diesem Tag wurden laut Mythos die "Drei Steine der Schöpfung" aufgestellt. Da die Feuerstelle der Maya aus drei Steinen bestand, könnte man dieses Stadion als Einrichtung der ersten Feuerstelle verstehen. Wak-Chan-Ahaw, der "Emporgehobene Himmelsherr", der Maisgott oder auch Hun Hunahpu, Vater der Heldenhaften Zwillinge, beanspruchte für sich, diese Feuerstelle errichtet zu haben. Er wird in der Unterwelt getötet, doch mit Hilfe seiner Söhne wiedergeboren. Dieses Ereignis wird durch das Entsteigen aus einem Schildkrötenpanzer dargestellt. Die Schildkröte spielt in der Schöpfungsmythologie eine wichtige Rolle. In einigen Mythen ruht die Erde auf einer, im urtümlichen Ozean treibenden großen Schildkröte. Das Sternbild "Orion" wurde von den Maya als Schildkröte wahrgenommen und drei Sterne des Orion sind eng mit den "Drei Steinen der Schöpfung" verbunden. Die Verbindung zwischen Orion und dem ursprünglichen Schöpfungsfeuer wurde in den modernen Maya-Mythen bewahrt. Jedes Jahr am 13. August (Jahrestag der Schöpfung) erscheint Orion am Himmel nahe dem Punkt, an dem die Milchstraße die Ekliptik kreuzt. Kurz vor der Dämmerung erreicht er seinen höchsten Stand, und genau jenen, wo der Maisgott geboren wird.

Nachdem die Götter die Erde geformt hatten, erschufen sie Geschöpfe, die sie anbeteten. Zuerst schufen sie Tiere, aber deren einzige Gebete waren kreischende Laute. Dann formten sie einen Menschen aus Schlamm, der zwar sprach, aber nur bedeutungslose Worte und sich schnell wieder in eine formlose Masse verwandelte. Als nächstes schufen die Götter Menschen aus Holz. Sie sahen menschlich aus, sprachen und vermehrten sich, aber sie besaßen keine Seelen und ehrten ihre Schöpfer nicht. Daraufhin beschlossen die Götter, die hölzernen Menschen zu zerstören und erzeugten eine Vielfalt von Gefahren. Eine große Flut, Angriffe des gefürchteten Jaguars und selbst die Haustiere und Kochutensilien wurden für die Zerstörung genutzt. Die meisten Holzmenschen wurden getötet und die wenigen Überlebenden wurden in Affen verwandelt, die noch heute in Wäldern wohnen. Einen letzten Versuch wagten sie noch und sammelten Maiskörner. Die alte Göttin Xmucane mahlte die Körner neunmal, fügte Wasser hinzu und formte daraus die ersten vier Menschen. Diese lernten rasch, wie man die Götter verehrt und ihnen geeignete Opfer dar bringt.

Genau das ist es auch, worauf die Götter besonderen Wert legten. Deshalb drehte sich das gesamte Leben der Maya um die Huldigung der Götter. Vor allem Gefangene aus den Kriegen zwischen den rivalisierenden Maya-Königreichen wurden den Göttern geopfert.

 

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