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Die Geschichte der Maya beginnt nicht etwa erst mit
Kolumbus oder Leif Eriksson, sondern mit den Maya-Schreibern mitten im
mittelamerikanischen Urwald. Die Maya waren auch das erste Volk der "Neuen
Welt", das eine vollentwickelte Schrift besaß. Damit war alles
perfekt um Geschichte zu schreiben.
Sämtliche Geschehnisse in der Natur, wie die Konstellation der Sterne, Bedingungen für die Ausbringung der Saat, für die Jagd, ja sogar für die Bienenzucht und alle Ereignisse im Leben der jeweiligen Herrscher der Städte wurden in Hieroglyphenform auf Rindenblättern des Feigenbaums aufgeschrieben. Aber auch auf Keramiken und Steinmonumenten, unzähligen Stelen, Treppenabsätzen, Türstürzen usw. findet man Hieroglyphen. Auf den ersten Blick wirken die Maya-Inschriften außerordentlich kompliziert. Ähnlich den Hieroglyphen der Ägypter war die Mayaschrift sehr bildlich und man ging davon aus, dass jedes Zeichen eine feine Abstufung von Bedeutungen besitzen müsste. Heute weiß man, dass dies nicht zutrifft. Die Forscher, die die zerstörten Maya-Städte im 19. Jahrhundert entdeckten, konnten mit den Inschriften an Tempeln, Stelen und Wänden nichts anfangen, da sie sie nicht entziffern konnten. Somit vermochten sie auch nicht die Hieroglyphen in gesprochene Sprache umwandeln. Das was man interpretieren konnte waren Kalenderdaten und astronomische Berechnungen. Dies ließ die Vermutung annehmen, die Maya waren ein friedliches Volk von Wissenschaftlern, Priestern und Bauern. Anhand des Dresdner Kodex entschlüsselte Ernst Förstemann zwischen 1887 und 1897 das Zahlensystem der Maya und erkannte, dass es sich um ein Vigesimalsystem, basierend auf der Zahl 20, handelt. Er erkannte auch, dass die Maya den Stellenwert Null kannten und dass sie alle Tage seit Bestehen ihres Daseins zählten - heute nennt man dies die "Lange Zählung". Die Lange Zählung, also die Tage die bereits vergangen waren (für die Maya versteht sich) konnte Josph Goodman in Einklang mit dem julianischen Kalender bringen. Aus dem Vergleich der Maya-Daten aus der Kolonialzeit mit Ereignissen des damals angewendeten julianischen Kalenders konnte man den Tag "Null" zurück berechnen. siehe dazu "Schöpfungsgeschichte der Maya" Tatjana Proskouriakoff erkannte in Piedras Negras, dass bestimmte Stelen im Abstand von einer Generation wieder erschienen. So konnte sie die Glyphen für "Tod", "Geburt" und "Thronbesteigung" deuten. Eine nachfolgende Glyphe bezeichnete eine Person. Also der Name eines Herrschers oder dessen Sohn. So konnte sie also weiter vermuten, dass die Inschriften auf den Stelen vom Leben und der Herrschaft erzählten. Aber erst dem russischen Experten, Dr. Juri Walentinowitsch Knorosow, vom Institut für Ethnographie der Akademie der Wissenschaften in Leningrad/St. Petersburg, gelang ein grandioser Durchbruch bei der Entschlüsselung der Hieroglyphen. Er legte 1952 den entscheidenden Grundstein für die "Codeknackung". Um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass er, rein politisch gesehen, nie die Möglichkeit hatte, eine Maya-Ruine in Tikal, Copán oder Palenque zu sehen, geschweige denn eine Inschrift mit der Hand zu berühren. Nur mit seiner Intelligenz und Vorstellungskraft ist ihm diese grandiose Tat gelungen. Nun konnte ein ganz anderes Bild vom Volk der Maya entstehen und AUS war es mit dem friedliebenden Volk. Als
er 1945 mit der Roten Armee in Berlin einmarschierte, entdeckte er vor
der Reichsbibliothek mehrere Bücherkisten, die die Deutschen vor
den einrückenden Russen nicht mehr in Sicherheit bringen konnten.
Die Kisten verbargen einen riesigen Schatz, nämlich den Bericht des
Franzikanermönches Diego de Landa, "Bericht aus Yucatán"
ISBN 978-3-15-020528-0, der 1566 begann eine Chronik über das Leben
und die Sitten und Gebräuche der in Yucatán lebenden Maya
zu verfassen sowie 3 Reproduktionen der bis dahin bekannten Kodizes der
Maya (der Madrider Kodex, der Dresdner Kodex und der Pariser Kodex). Knorosov
begriff, dass die Maya-Hieroglyphen aus einer Kombination von Silben-
und Wortzeichen bestehen müssen. Zum einen kann eine gesprochene
Sprache nicht nur aus ca. 800 Wörtern bestehen, denn die Maya-Schreiber
benutzten nur ca. 800 Zeichen in ihren Aufzeichnungen, zum anderen konnte
es sich nicht um das Alphabet mit 800 Buchstaben handeln. Dazu kam seine
Kenntnis über andere Schriftsysteme. Andere Beispiele: das Zeichen für "Berg", dass "wits" ausgesprochen, aber "wi-tsi" in Silbenzeichen dargestellt wird. Wir würden vermutlich nicht beim Anblick dieses Zeichens auf diese Erklärung kommen. Das Zeichen für "Schild", welches "pacal" ausgesprochen wird. Das "Pacal-Logogramm" ist nichts weiter als die Darstellung eines runden Kriegerschildes. Häufig wird es mit "pacal" und einem nachfolgenden "la"-Komplement geschrieben oder einfach auch nur durch die Silbenkombination "pa-ca-la". Kompliziert wird die ganze Sache, weil die Logogramme und auch die Silben in vielen verschiedenen Variationen vorkommen. Diese bezeichnet man als Allogramme. Bei der Entzifferung kommt es nun darauf an, Beziehungen und hörbare Werte aufzudecken. Von den 800 Hieroglyphen sind bis heute etwa 300 entschlüsselt und ebenso viele stehen in ihrer Bedeutung schon fest. Die oben erwähnten Kodizes sind Aufzeichnungen auf Rindenpapier des Feigenbaumes. Das "Papier" stellte man folgendermaßen her: die Fasern des Baumes wurden mit Stärke vermischt und dann zu langen flachen Papierstreifen geformt. Anschließend wurden sie mit einer feinen Kalkschicht überzogen, so dass man nun mit dünnen Federn darauf schreiben konnte. Die langen Bahnen wurden im Ziehharmonikaformat gefalten, so dass ein mehrseitiges Buch entstand. Diese Faltbücher, die mehrere Meter lang sein konnten, hatten eine Höhe von ca. 20-25 cm und waren ca. 10 cm breit. Die Dicke des Buches ergab sich logischerweise aus der Anzahl der Faltungen. Leider sind nur noch 4 Exemplare erhalten, die bereits erwähnten 3 (die den Namen des jeweiligen Aufenthaltsortes tragen: Madrid, Dresden und Paris). Der vierte Kodex mit nur 11 Seiten, wurde erst 1971 in einer Höhle in Südmexico gefunden und trägt den Namen Kodex Grolier. Er wurde in der Galerie Grolier in New York das erstemal der Öffentlichkeit gezeigt. Jetzt befindet er sich in Mexico-City, ist allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Man vermutete sogar, dass er nicht echt sei, aber die Untersuchung des "Papiers" hat ergeben, dass es aus vorspanischer Zeit stammt. Außerdem enthält der Kodex wie der Dredner Kodex einen Venuskalender. Jeder
Kodex enthält eine Vielzahl von Bildern, Hieroglyphen und Zahlen.
Die drei in Europa befindlichen Kodizes sind wahrscheinlich als Geschenke
an den Habsburger Hof gelangt, wo sie aber keine Beachtung fanden und
irgendwo verstaubten. Der Pariser Kodex befasst sich vor allem mit drei Themen, 1. der Maya-Kalender mit seinen dreizehn 20-jährigen Zyklen, 2. die Beschreibung und Erschaffung unseres Universums und 3. die dreizehn Sternbilder der Maya. Das Buch besitzt nur 22 Seiten und leider sind etwa 70% der Malereien verloren gegangen. Er befindet sich heute in der Pariser Nationalbibliothek. Der Madrider Kodex wurde laut Forschern von Maya-Legasthenikern geschrieben, denn er enthält Fehler, Lücken und vertauschte Hieroglyphen. Dieser Kodex ist zwar mit seinen 112 Seiten der längste der vier erhaltenen Kodizes aber trotzdem nicht so stilvoll wie der Dresdner Kodex. Er enthält Rituale für eine erfolgreiche Jagd, für die Bienenzucht und die Landwirtschaft, es gibt auch Kapitel, die man ebenso im Dresdner Kodex findet. Alle vier Kodizes stammen vermutlich aus der Zeit kurz vor der spanischen Invasion, allerdings könnte der Madrider Kodex erst im 17. Jhdt. in der Maya-Stadt Tayasal entstanden sein. Hier noch ein heißer Buchtip für alle, die noch mehr über die Codeknackung erfahren möchten: "Das Geheimnis der Maya - Ein Code wird entschlüsselt" von Michael D. Coe - Rorohlt Taschenbuchverlag GmbH - ISBN: 3 499 603462 |
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