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Nordöstlich von Mexico-Stadt liegt Teotihuacán - ein Kosmos aus Stein. Hier findet man noch heute im Zentrum der Stadt die Mond- und die Sonnenpyramide, die durch eine gigantische Straße von 2,4 km Länge und 45 m Breite verbunden sind. Die Azteken, die hier im 13. Jhdt. in der menschenleeren Stadt eintrafen, gaben ihr den Namen: Teotihuacán, was auf aztekisch bedeutet: wo Menschen Götter werden, die Straße nannten sie: Straße der Toten und auch die Pyramiden verdanken den Azteken ihre Namensgebung. Vielleicht fragt ihr euch nun, warum gibt ein Volk wie die Azteken mehrere hundert Jahre später einer Stadt und deren Bauwerken ihren Namen? Tja um ehrlich zu sein die Wissenschaftler konnten bis heute keine Antwort darauf finden. Es ist ja noch nicht einmal geklärt welches Volk diese grandiosen Bauwerke schuf. Zwar hat man an Wänden und Bodenplatten wenige Hieroglyphen entdeckt, allerdings sind diese wenig aufschlussreich, da sie sich weder dem Mayaschriftsystem noch den anderen bereits bekannten Schriftsystemen Mesoamerikas zuordnen lassen.

Die Stadt hatte in ihrer Blütezeit um 500 mindestens 125 000, vielleicht sogar 200 000 Einwohner, die in 2 000 Wohnkomplexen rund um die Pyramiden wohnten. Die Wohnkomplexe bestanden aus mehreren Räumen und Höfen die zum Kochen, Schlafen und als Gemeinschaftsräume genutzt wurden. Bei Ausgrabungen hat man einen Komplex mit 176 Räumen entdeckt. Die Wohnkomplexe erstreckten sich über eine Fläche von 22 km²!!! Die Straßen waren wie mit dem Lineal gezogen, an denen sich die zahlreichen Häuser schachbrettartig gruppierten. In den Überresten der Gebäude, die mit Stuck verkleidet und mit Fresken verziert waren, wurden keinerlei Bilder, Statuen oder dergleichen gefunden, die über eine Herrscherfigur Aufschluss geben könnten. Gehandelt wurde übrigens vor allen mit Obsidian - Gesteinsglas vulkanischen Ursprungs. Daraus wurden allerlei Gebrauchsgegenstände und Waffen Agefertigt. Aus den Minen Tepeapulco und Pachuca könnte Obsidian abgebaut worden sein.

Die Straße der Toten verläuft von südwestlicher Richtung leicht ansteigend nach Nordosten und endet am Fuße der Mondpyramide. Zugegeben das ist nicht so spektakulär, aber in ihrer Verlängerung weist sie genau auf eine Einkerbung am Gipfel des Cerro Gordo, der im alten Mexico als heiliger Berg galt. Erstaunlich! Wird hiermit dem Mythus "Von der Unterwelt zum Himmel" ein besonderer Ausdruck verliehen? Gestützt wird dies durch den im Süden der Stadt integrierten Fluss Rio San Juan, der mit der Straße der Toten einen "rechten Winkel" bildet. War der Fluss das Symbol für das Wasser der Unterwelt? Wir wissen bereits, dass die Hochkulturen Mesoamerikas von den Olmeken über die Maya bis zu den Azteken im Rhythmus der Ritualkalender sowohl ihr geistliches als auch ihr weltliches Leben organisierten.

Prächtige Tempelplattformen und Palastkomplexe säumen die Straße der Toten. Am südlichen Ende befinden sich ein Platz, der als Markt gedient haben könnte sowie eine Zitadelle. Zu ihr gehört eine Pyramide, die der gefiederten Schlange gewidmet war. In der aztekischen Mythologie wird Quetzalcóatl, die gefiederte Schlange, als Gott dargestellt, der in die Gewässer der Unterwelt hinabsteigt, um dort gegen die Götter der Finsternis zu kämpfen. Im Sommer 1983 wurden von dem Forscherteam um Saburo Sugiyama erst ein männliches Skelett mit einem Halsreif aus 200 Muschelperlen geschmückt mit auf dem Rücken verschränkten Armen gefunden. Je weiter die Ausgrabungen fortschreiteten, umso mehr Skelette fanden sie. Sie fanden weitere 17 Skelette mit genauso verschränkten Armen und Halsschmuck, wie beim ersten Fund, die wahrscheinlich Krieger waren, denn man hat mit ihnen insgesamt 169 Speerspitzen gefunden. So um das Jahr 200 n. Chr. wurden die Männer bestattet. Insgesamt fanden die Forscher in 21 Gräbern 133 Skelette, die in 4-er, 8-er, 9-er, 18-er oder 20-er Gruppen nach weiblich und männlich geAtrennt bestattet wurden. Übrigens alles Zahlen des Kalenders und der Kosmologie Mesoamerikas.

Die Mondpyramide mit einer Höhe von 43 m liegt im Norden der Stadt. In ihr wurden in jüngster Zeit bei Ausgrabungen 5 Grabstätten entdeckt. Die Ausgrabungen wurden von Rubén Cabrera Castro vom Nationalen Institut für Anthropologie und Geschichte in Mexico-Stadt sowie von Saburo Sugiyama von der japanischen Aichi-Universität geleitet. Was sie fanden lässt jeden erschaudern: enthauptete Menschenschädel und deren Skelette, Überreste fleischfressender Säugetiere, Raubvögel und Reptilien. Wahrscheinlich wurden sie bei Fertigstellung einer Bauphase und Einweihung der Pyramide geopfert. Aber an einer anderen Grabstätte machten sie eine aufregende Entdeckung. Drei Männer im Alter zwischen 40 und 60 „saßen“ im Schneidersitz, die Hände lässig in den Schoß gelegt. Dies lässt auf eine gehobene gesellschaftliche Stellung schließen und die Schmuckstücke aus Jade auf die Mayakultur.

In der Kunst der Maya gibt es eindeutige Anhaltspunkte, dass sie in Teotihuacan gewesen sind. Entweder als Handelspartner oder aber als unterlegener Kriegsgegner, der dem Sieger quasi Geiseln seines Volkes, meistens seine eigenen Kinder, übergeben musste.

An der Ostseite der Stadt erhebt sich die quadratische Sonnenpyramide mit einer Höhe von 65 m. Mit ihren 225 m Seitenlänge ist sie fast so groß wie Cheops Pyramide in Ägypten und zählt damit zu den gewaltigsten Bauwerken der Antike. Die Baumeister benutzten tezontle, rötliches Vulkangestein, anschließend wurde die Pyramide mit Kalk verputzt, um dann wiederum rot angestrichen zu werden. Ganze 248 Stufen muss man hochklettern, um auf die Plattform zu gelangen. Im Inneren der Pyramide stießen die Archäologen auf einen Tunnel und höhlenartige Gewölbe, ansonsten nur Schutt, Staub und Stein. Das Geheimnis rund um die Sonnenpyramide ist noch lange nicht gelüftet. Mit High Tech soll das Rätsel nun entschlüsselt werden. Seit Dezember 2006A misst ein Detektor die Ströme von subatomaren Teilchen, die beständig aus dem Weltall auf die Erde regnen. Diese werden von Materie, wie eben dem Felsgestein im inneren der Pyramide, absorbiert. Schwankungen im Strahlenfluss könnten Hinweise geben, wo sich eine Kammer, evtl. eine Grabkammer des unbekannten Herrschers der Stadt, befindet. Die Messung wird ein gesamtes Jahr dauern. Man darf also gespannt sein.

Die Forscher dieser gigantischen Pyramide vermuten, dass sie der Schlüssel zum Geheimnis der Stadt ist. Und so begannen sie die Entfernungen rund um die Pyramide zu messen und wie sollte es anders sein, stießen sie auf eine Besonderheit. Zieht man eine Linie von West nach Ost mitten durch die Pyramide hindurch und misst dann den Abstand zur Nordgrenze der Mondpyramide erhält man 833 m, misst man dann den Abstand bis zum Fluss Rio San Juan im Süden der Stadt erhält man als Ergebnis 829 m. War das Zufall? Die Sonnenpyramide stand also genau im Zentrum der Stadt. Um diesem "Zufall" auf den Grund zu gehen, und da sie die damalige Maßeinheit nicht kannten, schufen die Wissenschaftler ein willkürliches Maß, dass sie Teotihuacán Measurement Unit (TMU) nannten. Ein TMU entspricht 83 cm. Nun wurde der gesamte Komplex vermessen und, ihr ahnt es sicher schon, erstaunliches trat zu Tage. Von der Ostseite des Großen Komplexes, es war eine Art Markt- und Veranstaltungsplatz, südlich des Flusses bis zur Ostseite der Zitadelle (Festung mit Platz für 100000 Menschen) waren es 584 TMU. Vom Südrand der Zitadelle bis zu der Mauer, die das Terrain im Norden begrenzte waren es ebenfalls 584 TMU. Tja, 584 ist genau die Zahl der Tage im Zyklus des Venuskalenders!!! Noch viele andere Kombinationen mit den Gebäuden fügten sich zusammen. Offensichtlich spielten auch der 365 Tage währende Sonnenkalender und der Ritualkalender mit seinen 260 Tagen eine überaus große Rolle beim Bau des gesamten Komplexes.

Forscher haben Brandspuren an den Mauern mehrerer Gebäude entdeckt und vermuten, dassA die Stadt einer verheerenden Brandkatastrophe zum Opfer fiel. Ob die Bewohner selber ihre Stadt nieder brannten und wenn ja WARUM oder ob es Eroberer waren, steht noch nicht fest. Aber auch hier fragt man sich warum sie dann die Stadt niederbrannten anstatt sie selber zu nutzen.

Um einen "kleinen" Eindruck von der Größenordnung des Komplexes rund um die Sonnenpyramide zu bekommen hier also mal die Koordinaten 19° 41' 32.37" N, 98° 50' 37.10" W. Gigantisch!!! Die Mondpyramide 19° 41' 58.90" N, 98° 50' 37.98" W. Der Cerro Gordo 19° 45' 14.92" N und 98° 49' 32.02" W

Hier
bin ich auch schon die Pyramiden hochgeklettert.

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