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Die
Priester und Könige der Tolteken schufen in Mesoamerika, ca. 75 km
nördlich von Mexico City, eine 200 Jahre währende Blütezeit
in Kunst und Kultur. Dies geschah, gestützt auf ihre militärische
Macht, im Zentrum von Tula, aztekisch Tollán. Um das Jahr 1000
dürften in Tula etwa 40000 Menschen gelebt haben.
Man
geht davon aus, dass einige der Toltekischen Vorfahren einst zu den führenden
Familien Teotihuacáns gehört haben müssen, die Experten
im Handel, der regionalen Organisation und der politischen Führung
waren. Ziellos wanderten sie umher und litten Not unter den weniger fortschrittlichen
Völkern. Einige Indianer die als Bauern, Sammler oder Jäger
lebten schlossen sich den umher irrenden Tolteken an und kehrten einer
Überlieferung zufolge ins Mexico-Tal zurück. Die Führung
übernahm ein rücksichtsloser Herrscher namens Mixcoatl, den
einige Historiker als den "mexikanischen Attila" bezeichneten.
Dieser wurde von seinem bösartigen Bruder, auch "Herr des Wasserpalastes"
genannt, ermordet. Aus Rache tötete Mixcoatls Sohn Ce Acatl Topiltzin
seinen, in unserer Verwandschaftsbeziehung, Onkel.
Ce Acatl Topiltzin war ein Priester Quetzalcoatls und trug auch den Namen
des Gottes. Er verbündete sich mit den zivilisierten Nonoalca und gründete
die Toltekenhauptstadt Tula in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Sie dehnten
ihre Macht über weite Teile Mesoamerikas bis in die Maya-Länder
Guatemala und Nord-Yucatán aus.
Nach seinem Tod wurde Ce Acatl zum wohltätigen Gott Quetzalcoatl, der
den Tolteken alles Wissen brachte. Dadurch konnten sie unter der Führung
mehrerer Nahuatl sprechender Hohepriester und Könige, die kulturellen
Errungenschaften der von ihnen eroberten Völker übernehmen. Eben
auch viele Elemente aus der Blütezeit Teotihuacáns. Sie entwickelten
eine eigene, mächtige Kultur. Sie brachten Baumeister, die die reich
verzierten Pyramiden, Paläste mit Säulenhallen, Ballspielplatz
und viele andere öffentliche Gebäude errichteten, hervor. Wände
und Säulen wurden mit gemeißelten oder gemalten Figuren von Kriegern
und Gottheiten geschmückt.
Die Tolteken fertigten Gold-, Silber- und Kupferarbeiten an und gehörten
damit zu den ersten Völkern Mexikos, die diese Kunst beherrschten.
Allerdings waren sie auch blutrünstiger als ihre Vorgänger, den
Olmeken und den Bewohner Teotihuacán's. Ihr Glaube verlangte geradzu
nach Menschenopfern, um die Götter gnädig zu stimmen.
Dass sie intensive Handelsbeziehungen unterhalten haben müssen, unterstreichen
zahlreichen Funde bei denen Türkise aus dem Chaco Canyon im heutigen
New Mexico, Muscheln aus dem Pazifik und dem Golf von Mexiko und Federn
von Vögeln aus den Dschungeln des Südens verarbeitet wurden.
Hier in Tula bildete sich die religiöse und kulturelle Zukunft des
indianischen Mexiko heraus. Allerdings kam es zu einer internen Spaltung.
Es entbrannte ein Machtkampf zwischen den Anhängern Quetzalcoatls,
der "Gefiederten Schlange", und denen des Gottes Tezcatlipoca,
dem "Rauchenden Spiegel", der Gottheit des Dunkels und der Nacht.
Diese beiden gänzlich gegensätzliche Gottheiten führten in
der Religion und der Führerschaft der Tolteken zu unüberbrückbaren
Differenzen. Tezcatlipoca war ein Kriegsgott. Ein Gott der Mächtigen,
der nach Eroberung und Unterwerfung verlangte. Quetzalcoatl hingegen galt
als Schöpfer, als Bringer von Landwirtschaft, Wissenschaft und Kunst.
Er war ein aufgeklärter Gott, der Morgen- und Abendstern. Die Menschen
konnten nicht anders, als ihn zu verehren.
Es war nicht möglich, dass beide Gottheiten nebeneinander existieren
und so kam es, dass Quetzalcoatl 987 aus Tula vertrieben wurde. Seine Begleiter
gingen mit ihm nach Cholula, der Stadt mit der riesigen Pyramide, um dann
weiter nach Yucatán zu ziehen. Sie eroberten Chichén Itzá,
und sodann wurde aus Quetzalcoatl im Maya-Zentrum Kukulcán (Kukulcán
ist das Maya-Wort für Quetzalcoatl).
Nach seinem Tod soll Kukulcán auf seinem Floß aus Schlangen
nach Osten gesegelt sein, das Wasser des Golfs von Mexiko geteilt haben
und zwischen den Fluten davon gegangen sein. Sein Herz stieg zum Himmel
hinauf und wurde zum hell leuchtenden Morgenstern. Der Rauch, der von
seinem Scheiterhaufen hochstieg, verwandelte sich in Quetzals, die bunten
Vögel Mexikos mit ihren grünen Schwanzfedern.
Insbesondere eine Legende, die sich um seinen Tod rankte, geriet nicht in
Vergessenheit: Eines Tages würde er als "Gott des Guten und des
Lichts" ins Mexiko-Tal zurückkehren, als Ce Acatl Topiltzin Quetzalcoatl.
Was geschah unterdessen in Tula? Im Jahr 1050 hatte Tulas Macht seinen Höhepunkt
erreicht. Zu Anfang des 12. Jahrhunderts wurde das Reich der Tolteken von
den Chichimeken angegriffen. Immer mehr Menschen verließen aus Angst
die Stadt und begaben sich auf die Suche nach sichereren Orten. Unter den
Zurückgebliebenden kam es zu Streiterein und schließlich zum
Krieg. Um 1180 war das Schicksal von Tula besigelt, die Stadt war verlassen
und ging unter.
Inzwischen hatten viele Staaten Mexikos den Gott Quetzalcoatl und den
Glauben an seine Wiederkehr übernommen.
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